Balkanroute - Frühjahr 2026
Samstag, 09. Mai, das Wetter in Dalmatien hat sich stabilisiert; Zeit die Wohnung zu wechseln! Erster Stopp dieses Mal in Bad Reichenhall bei Louisa, Conny und Tobi. Wird ein schöner Abend, auch wenn Lou sich einige Bänder am Knöchel gezerrt hat.
Nächster Aufenthalt - wie meistens - in Linz. Lange nicht mehr da gewesen, viel hat sich ereignet, also großes Austauschen.
Der Besitzer will 40 € pro Nacht, ich biete 20 € oder gar nichts und bleibe 2 Nächte. Grund: ich will endlich den Süden Peljesacs mit dem Bike erkunden. Die zum Campingplatz führende Schotterstraße führt weiter zu zwei Nobelrestaurants in Kobas, vor allem unter Seglern bekannt. Danach beginnt eine enge Teerstraße. Auf der Südseite dann der Blick auf Mljet. Eine Schotterstraße führt weiter bis zum Cap, aber der Himmel verdunkelt sich. Also schnell noch 200 Höhenmeter hinaufgeradelt - dort, wo eine Schotterstraße nach Prapratno abzweigt - und hinab im einsetzenden Regen zum WOMO.
Am nächsten Tag scheint die Sonne, Gelegenheit Velika und Mali Ston genauer anzuschauen. Die mühselige Besteigung der Festungsmauer nach Mali Ston spare ich mir, dafür suche ich den alten Weg nach Brijesta über die Berge und werde in Cesvinica fündig.
Am Samstag, den 16.05. dann endlich weiter nach Brijesta zu Dominik, der mich freundlich begrüßt, wie immer. Der Mandarinenplatz ist auch vorbereitet - was willst du mehr! Ach ja, die unvermeidbare Quasselstrippe Carmen aus Berlin hat natürlich wieder den Ausweichplatz belegt und Michi, der Pole mit deutschem Pass, ukrainischer Frau und Baugeschäft in Klagenfurt ist auch da.
Ich kann wieder durchatmen, alles ist perfekt!
In den sechs Wochen meines Aufenthalts lerne ich viele interessante Menschen kennen, manche begleiten mich auf den Bike-Touren, gehen mit mir zusammen essen, und was man halt so macht, wenn man nichts zu tun hat!
Dazu gehören auch Unterstützungsmaßnahmen für Dominik, der schwer beschäftigt ist mit Renovierung und Umbau seines Hauses. Gelegentlich wird zum Einkaufen nach Opuzen oder Metkovic gefahren, wo ich „Marende“ kennenlerne, keine Frau aber eine äußerst schmackhafte Variante des bayerischen „Abo-Essens“. Von 11 Uhr bis 13 Uhr bieten einzelne Konobas Mittagsmenüs zum halben Preis an.
Apropos Preise: im Vergleich zum letzten Jahr wurde wieder deutlich zugelegt. In den kleinen Geschäften auf Peljesac schamlos (Devise: Touristen müssen gemolken werden), in den Discountern auch spürbar und vor allem in der Gastronomie. Das Szenario vor dem Jugoslawienkrieg wiederholt sich - bis die Blase platzt und die Touristen sich billigeren Alternativen zuwenden.
Zurück zum „Dolce fa‘ niente“: der Juni ist wieder so heiß wie schon letztes Jahr. Ab 10 Uhr muss man sich unter die Tamarisken am Strand verziehen, lesen, schwimmen, dösen - und das ganze von vorne.
Dazu bläst dieses Jahr häufig der Scirocco aus Süden und bringt Backofenluft aus Afrika mit im Gegensatz zum Jugo, der Regen und Gewitter brächte, aber heuer total ausfällt. Großer Vorteil: die ablandigen Winde verscheuchen das warme Oberflächenwasser und bringen dadurch kühles, sauberes Tiefenwasser in die Bucht.
Viele beklagen, dass das Wasser in der Bucht von Brijesta nicht klar, durchsichtig und blau erscheint, wie in Dalmatien üblich. Der Grund ist einfach: der Boden in der Bucht von Brijesta ist mit Seegras und dunklen Steinen gepflastert; da erscheint das Wasser dunkel. An den Stellen, wo kiesiger Untergrund vorhanden ist, hat man das typische Südsee-Flair.
Irgendwann erwacht dann doch der „Beduinen-Trieb“, der zum Weiterziehen auffordert. Nächstes Ziel sind die Wasserfälle von Kravica in Bosnien/Herzegowina, nur eine knappe Stunde entfernt. Den einfachen Stellplatz unten am Bach muss man kennen, sonst landet man unweigerlich am Campingplatz, unmittelbar neben dem Eingang zum Naturschutzgebiet.
Im Auto Camp Kravica steht man direkt am Fluss Trebizat und kann gleich hineinspringen. Es gibt eine Menge Stellplätze auf der Wiese, einige Bäume, Strom, aber keine Dusche. Die Toiletten muss man mit den Wasserfall-Besuchern teilen. Man bezahlt einmalig das Ticket am Eingang, auch wenn man mehrere Tage bleibt. Der Besitzer schaut morgens oder abends vorbei und kassiert. Die Zufahrt ist schmal und steil, aber seit diesem Jahr betoniert. Wer hier übernachtet, kann den Wasserfall außerhalb der Öffnungszeiten genießen.
Der Kravica Wasserfall ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Bosnien und Herzegowina. Er liegt etwa 50 Fahrminuten südwestlich von Mostar nahe der Stadt Ljubuški, und ist bekannt für seine beeindruckende Höhe von 28 Metern und seine bezaubernde Form, die einen halbkreisförmigen Amphitheaterboden bildet.
Auffallend für mich die Toleranz der einheimischen Bevölkerung in Bezug auf die Kleider-ordnung: Ladies im modischen Burkini, der die islamischen Prinzipien der Sittsamkeit abbildet und daneben die freizügige Bademode, die kaum mehr etwas verdeckt, beweisen, dass ein Nebeneinander der Religionen in dieser Hinsicht durchaus möglich ist.
Nächstes Ziel ist der Stausee in der Provinz Rama, der Ramski Jezero. Die Gegend wirkt noch verschlafen, aber die Anwohner haben die Zeichen der Zeit verstanden und versuchen mit Stellplätzen ihre Einkommen aufzubessern.
Die Gegend ist sowas von umwerfend schön und bietet viele Möglichkeiten aktiv zu werden. Ich habe fünf aussichtsreiche Mountainbike-Routen gefunden, dazu gibt es viele Wandermöglichkeiten und einige Wassersport-Attraktionen. Viele Stellplatzbesitzer haben eigene Ponton-Flöße mit Außenbordmotor, auf denen sie ihre Gäste - meist kostenlos - auf dem See herumschippern.
Mein Hit ist „Franjusic Camping and Apartments“ von Ana und Ivan. Die beiden sind an Herzlichkeit nicht zu überbieten. Stets gibt es diverse selbstgebackene „Schmankerl“, dazu Bier und selbstgebrannten Schnaps.
Also eine Woche kann man es locker aushalten, vor allem, da das Restaurant Ramsko Jezero nur gute 3 Kilometer entfernt ist. Spezialitäten: Cevapi und Burek. Und das alles so preiswert, dass man sich anstrengen muss, die 10 Euro Grenze zu kappen. Wer mehr wissen möchte:
Essen in Bosnien: 20 traditionelle bosnische Gerichte
Naturgemäß gibt es in der Gegend auch häufig Gewitter deren Heftigkeit nichts zu wünschen übrig lässt!
Dieses Mal schaffe ich es endlich in die Una-Region. Dieses Gebiet um den Fluss Una in Bosnien ist ein wahres Naturjuwel, das für seine spektakulären Landschaften, unberührte Natur und außergewöhnliche Artenvielfalt bekannt ist. Der Nationalpark Una, der im Nordwesten Bosnien-Herzegowinas liegt, umfasst ein 19.800 Hektar großes, längliches Schutzgebiet, das sich entlang der kroatischen Grenzlinie erstreckt.
Der Fluss Una, der im Dorf Donja Suvaja unter dem Berg Stražbenica in Kroatien entspringt, fließt durch die Stadt Bihać und ist bekannt für seine Wasserfälle, wie Štrbački Buk, und seine kristallklaren Flüsse. Die Region bietet zahlreiche Aktivitäten wie Fliegenfischen, Radfahren, Rafting und Bergsteigen, und ist ein idealer Ort für Naturliebhaber und Abenteuerlustige.
Auf der Anfahrt treffe ich zufällig auf einige der wilden Pferde, die sich auf der Hochebene bei Livno tummeln. Normalerweise begibt man sich in die Fänge von überteuerten „Safari-Unternehmen“, die mittels Geländewagen-Touren diese Pferde aufspüren und auch zuverlässig finden, weil sie den Mechanismus der „Anfütterung“ schnell mitgekriegt haben.
Der Fluss Una, der im Dorf Donja Suvaja unter dem Berg Stražbenica in Kroatien entspringt, fließt durch die Stadt Bihać und ist bekannt für seine Wasserfälle, wie den Štrbački Buk, und seine kristallklaren Flüsse.
Die Region bietet zahlreiche Aktivitäten wie Fliegen-fischen, Radfahren, Rafting und Bergsteigen, ist dem-nach ein idealer Ort für Naturliebhaber und Abenteuerlustige.
Ausgiebig getestet habe ich den Stellplatz bei Martin Brod. Wie der Name vermuten lässt, ist der Camping & Picnic Place Lucica auch ein Picknickplatz für Parkbesucher. Er bietet Stellplätze auf einer sonnigen Wiese am Fluss Unac und überdachte Sitzgelegenheiten. Am Wochenende werden diese ausgiebig von Einheimischen genutzt. Ausstattung: einfache Sanitäranlagen mit zwei warmen Duschen und Toiletten. Irgendwann am Tag kommen Ranger vorbei und kassieren. Der Preis beinhaltet auch den Eintritt für den Wasserfall Milancev Buk.
Mein Ranger floh vor dem Jugoslawienkrieg Anfang der 90er-Jahre nach Deutschland, erlernte schnell die Sprache und arbeitete jahrelang als Busfahrer im Schwäbischen, bis es ihn wieder zurückzog. Seine Informationen geben mir tiefe Einblicke in die Situation dieses Konglomerats ethnischer Völker, das sich nach dem Ende des Kriegs selbständig machte.
Mit dem Bike erreicht man die Aussichtsplattform, von der aus man den Wasserfall Milancev Buk besichtigen kann. Über größere und kleinere, dicht bewachsene Travertinbarrieren, umgeben von etlichen Bäumen, rauscht das Wasser einige Meter hinab. Um den Veliki Vodopad na Uni, den großen Wasserfall der Una, passiert die Una stromauf- und stromabwärts weitere Kaskaden und überwindet dabei ein Gefälle von über 50 Metern.
Eine interessante Mountainbike-Tour führt in die Una Schlucht. Tief im Tal, mal eingezwängt von hoch aufragenden Karstklippen, mal vom dichten Wald, fließt die türkisgrüne Una. Libellen jeder Couleur, Vogelgezwitscher und Smaragdeidechsen auf der Schotterstraße - und sonst nur dröhnende Stille. Vom Aussichtspunkt Stijena eröffnet sich ein spektakulärer Blick in die Una-Schlucht. An ihrer Engstelle überspannt die alte, begehbare Eisenbahnbrücke (Zeljeznicki Most) der ehemaligen Una-Bahn nach Knin sowie eine weitere Brücke den Fluss. Leider im Krieg alles zerstört und danach nicht mehr gebraucht. Ein paar Kilometer weiter stehe ich vor einer kleinen Brücke mit Schlagbaum über den kleinen Fluss Krka und da steht: nicht betreten. Aha, hier beginnt Kroatien! Und schon sehe ich in der Ferne einen Soldaten mit umgehängter MP - so schnell hab‘ ich schon lang nicht mehr umgedreht und Fersengeld gegeben. Schmugglerpfad!
Im weiteren Verlauf gibr es viele Möglichkeiten, an der Una Rast zu machen, nach der Provinzhauptstadt Bihac würde ich aber nicht mehr in ihr schwimmen: zu undurchsichtig die Abwasserlage!
Die Route führt mich durch Karlovac zum Grenzfluss Kolpa, wo man beim Camp Tourism Lovsim ruhig mal zwei Tage entspannen kann. Der weitere Weg entlang der slowenisch-kroatischen Grenze ist landschaftlich reizvoll. Auffällig sind die vielen Wehrkirchen auf den Hügeln, Stopps sind spärlich gesät, denn eigentlich darf man in Slowenien nicht frei herumstehen, aber es gibt einige Kommunen, die freie Stellplätze zur Verfügung stellen, beispielsweise in Ormoz und Sveti Tomaz, am Rande des noch ziemlich unbekannten Weinanbaugebiets von Jeruzalem.
Alles in allem spricht mich Slowenien nicht an, bin wohl schon übersättigt mit Eindrücken.
Hängengeblieben bin ich am Freizeitzentrum von Jennersdorf, einem Campingplatz mit freiem Zugang zum Schwimmbad im Südburgenland. Ich finde auch die Radlroute wieder zum Dreiländereck. Für Flach- und Leichthügelradler ist die Gegend ideal. Fürstenfeld ist auch nur einen Sprung entfernt und Bergradeln kann man intensiv im nicht weit entfernten Naturpark Geschriebenstein.
Hilft alles nichts, der Kopf ist voll mit Eindrücken und bevor er überläuft noch ein kurzer Stopp in Linz und zurück ins Basislager!