"Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste"
 "Ich war noch nicht überall, aber es steht auf meiner Liste"

Endlich wieder in Italiens Süden

Das isser - der berühmte prosciutto

Spätsommer-Herbst 2025 - Süd-Italien

 

Wie immer machen Alex und ich uns auf „Genitalien“. Das inkludiert die Fahrt auf der Pyhrn-Autobahn, weiter über die Triebener Tauern mit Kaffeestopp vis a vis von der Hirter Brauerei, Tanken in Arnoldstein und Übernachtung in San Daniele di Friuli mit Proviantaufstockung im Eurospar von Majano.

 

Weiteres Highlight, die Abendvesper in der Enoteca Prosciutteria La Corte di Bacco. Absolut zu empfehlen!

Camping la cappelletta

Am nächsten Tag ohne Stopp durch bis zum Lago di Bolsena auf „unseren“ Platz, dem Camping La Cappelletta, wo wir gleich von einem Sturzregen überfallen werden. Eine Woche müssen wir dort aushalten, die täglichen Bade- und Schwimmeinheiten im Vulkan-Wasser über uns ergehen lassen und jeden Abend die Mahlzeiten der Familien Stella und di Girolano am ausgesetzten Seeufer über uns ergehen lassen. Sonst ist da außer ein wenig Radfahren nix!

Dann haben wir genug und rollen weiter direkt zum nächsten, altbekannten Stopp am Campingplatz La Perla, unserem zweiten „Geheimtipp“. Unschlagbar, obwohl man jegliche „Bespaßung“ verzichten muss. Man könnte so ausdrücken: hier ist die Hose tot, oder so ähnlich.

 

Wir sitzen gezwungenermaßen zwei Wochen fest auf diesem Platz, unterwerfen uns den täglichen Ritualen der Reinigung im lauwarmen Meer, ständig bedroht und gezwickt von den invasiven Blaukrabben und hin- und hergeschleudert in der tosenden Brandung. Was kann man hier schon machen außer Bikeausflügen um den Lago di Varano beispielsweise oder nach Cagnano, ständig geplagt von der nunmehr mäßigen Sonnenbestrahlung. Aber auch die 300 Höhenmeter Folterstrecke nach Ischitella bringt vor allem Alex an seine Grenzen. Ansonsten bleiben nur tägliche Abendausflüge zur Nahrungsaufnahme nach Lido del Sole und Morgentouren zum „Semmelholen“.

 

Dass die Preise hier so niedrig sind, sollte man mit Vorsicht genießen: das hat sicher einen ökologischen, medizinischen oder sonstwie anrüchigen Hintergrund. Gottseidank passiert außer schmerzhaften Stichen von Boden- und Luftinsekten nichts Gravierendes.

 

Die meiste Zeit spielen wir Männer, die aufs Meer starren, ohne aber dabei parapsychologische Kampftechniken zu entwickeln.

Nach zwei Wochen hat Alex genug und verlässt mich Richtung Heimat. Ich muss leider ausharren, da sich meine Schwester Ute mit ihrer Freundin (ebenfalls Ute, aber nicht verwechselbar) angekündigt hat. So verbringen wir eine weitere Woche mit ödem Nichtstun. Als dann morgens ein toter Delphin am Strand auf uns wartet mache ich mich mit den beiden weiter Richtung Süden auf.

 

Quer über und durch den „Foresta Umbra“ des Gargano erreichen wir nach abwechslungsreicher Fahrt einen „sosta camper“ bei Torre Canne. Bei weiterer Erkundung schält sich heraus, dass die beiden lieber gesicherte Campingplätze ansteuern wollen als unabhängige und das Portemonaie schonende Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Zähneknirschend checke ich meine finanziellen Möglichkeiten und beschließe, weiter mit Ute&Ute zu ziehen. Beide haben sich übrigens ein kastenförmiges WOMO gemietet, so dass wir gut vorankommen.

On the road again

Die Brandung an der Adria ist jedoch zu stark, so dass wir nach Brindisi in Richtung Ionisches Meer, Gallipoli ansteuern. Nach zwei Nächten auf einem Stellplatz, wo wir vom Meer durch ein Dünenwäldchen separiert sind, finde ich einen passenden „Campground“. Ein paar Kilometer entfernt vom historischen Gallipoli (Kali poli = schöne Stadt), der Strand gemischt mit Fels und weißem Sand und offen zum Meer, dazu wirklich preiswert - wir bleiben 10 Tage.

Auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel lassen wir uns natürlich den südlichsten Punkt Apuliens nicht entgehen: Punta Ristola Leuca.

 

Die Punta Ristola bildet das südlichste Ende des Salento, des „Absatzes“ vom italienischen Stiefel. Das Kap trennt den Golf von Tarent von der Straße von Otranto.  Dieser Ort ist einzigartig, da hier das Ionische Meer und die Adria aufeinandertreffen und einen atemberaubenden Blick auf das kristallblaue Wasser bieten. Papa Benedetto war natürlich auch schon da.

Und immer wieder lockt Matera, eine der interessantesten Städte Süditaliens. Der historische Teil von Matera ist in die Stadtviertel Sasso Barisano und Sasso Caveoso aufgeteilt. Die Höhlensiedlungen der Umgebung sind ein außergewöhnliches Beispiel im mediterranen Raum. Das bereits seit der Jungsteinzeit besiedelte Gebiet kann als eine der ältesten Städte der Welt gelten.

Die Masseria als campground

Seit geraumer Zeit Unesco-Welterbe und demgemäß überlaufen, Anfang Oktober aber machbar. Wir finden einen Stellplatz auf dem Altopiano della Murgia Materana, Einchecken nur online. Der Pächter liefert uns am nächsten Tag in Matera ab und wir haben 6 Stunden zur Erkundung der Sassi. Dieser Besuch wäre einen extra Eintrag wert.

 

Es ist natürlich jetzt alles geregelt, vor 25 Jahren konnte man noch frei herumstromern und auf Entdeckungsreisen gehen.

Das Wetter schlägt um und Ute&Ute schlagen sich nach Deutschland durch mit Stopp im unvermeidlichen Südtirol, ich nehme Witterung von zwei Bekannten aus meinem letzten Griechenlandtripp auf.

Zweifelhafter Traumplatz bei Terzo Cavone

Dazu quere ich Süditalien von Sibari nach Scalea auf abenteuerlichen Nebenstraßen über drei Pässe. Zum Teil passiere ich gesperrte Straßen, aber das sind ja in Italien, wie die allgemeinen Verkehrsregeln, nur Vorschläge. Noch ein paar Kilometer nach Norden bis zum Spiaggia di Fiuzzi und dort warten schon Anja und Stefan und wir verquatschen die erste Nacht. Und dann gehts weiter zu dritt in den Süden.

Wettermäßig verheißt Sizilien die beste Option zu sein, aber vorher gibt‘s noch einen kurzen Aufenthalt in Tropea. Zu dieser Jahreszeit findet man problemlos Stellplätze am Fuße des Bergsockels, auf dem die Stadt thront, wobei der Campingplatz mit Einweiser die preiswertere Lösung bietet.

Jetzt aber auf nach Sizilien! Zehn Jahre sind vergangen, seit ich das letzte Mal dort war. Wir beginnen unseren Turn gegen den Uhrzeigersinn, da hat der Beifahrer bessere Sicht, vor allem meiner!

Stellplatz bei Trinacria

Erster Stopp bei Trinacria, Riesengelände mit Freiluftdusche. Die Straße trennt den Zugang zum Wasser, aber Schwimmen ist sowieso nicht, da das Meer gewaltig aufgewühlt ist. Also auf nach Cefalu.

 

 

Erstaunlich, was um diese Zeit hier noch los ist. Dieser Ort hat sich zu einem Hotspot entwickelt. Es gibt zwei kleine Stellplätze außerhalb „ohne irgendetwas“, unserer ist noch dazu kostenlos, da der Besitzer , wahrscheinlich wegen Reichtums, verzichtet, die Gebühren einzutreiben.

 

Erheblich weniger Menschen machen sich auf, den „Rocca“ zu besteigen. Ist ja auch schweißtreibend, voll in der Sonne bis zum Burgtor steil hinauf. Dann sollte man sich links halten, wo einen atemberaubende Abgründe erwarten mit freier Sicht aufs Tyrrhenische Meer sowie die Altstadt von Cefalu mit dem dominierenden Normannen-Dom.

 

Jetzt aufgepasst: warten, bis niemand mehr in der Nähe ist, dann die Absperrung missachten (Achtung: Lebensgefahr!) - nur ein Vorschlag - und einfach weitergehen. Der Pfad schlängelt sich am Abgrund entlang, stolpern oder ausrutschen sollte man nicht, und wer nicht schwindelfrei ist, soll’s lieber lassen. Aber wer sich traut, den erwartet eine abenteuerliche „Bergwanderung“ rund um den Rocca, gegen Ende an der Burgmauer entlang hinauf bis zum Normalweg. Man kann aber auch schon früher frei durchs Gelände bis nach oben klettern, wo einen die Reste der Burg erwarten. Ein absolutes Highlight! Nur nicht erwischen lassen!

 

Nach der Tour erschlägt einen der Trubel in den Gassen der Altstadt. Besichtigen sollte man auf jeden Fall den Dom, vor allem wegen des restaurierten riesigen Pantokrator-Bildes.

Anja und Stefan wollen influenzermäßig am liebsten alle Hotspots besuchen, ich rate ab, nach Palermo hieneinzufahren. Ich wüsste auch gar nicht, was man da an einem Tag besuchen sollte. Vor vielen Jahren habe wir in zehn Tagen nicht alles gesehen. Also: Flug und Unterkunft buchen, aber mit dem Womo einen großen Bogen drumherum machen.

Hotspot: San Vito Lo Capo

Mehr „womo-like“ ist San Vito Lo Capo, die kleine italienische Küstengemeinde im Nordwesten Siziliens. Bekannt ist vor allem der in einer geschützten Bucht gelegene Strand, über dem sich der Monte Monaco erhebt. In der Ortsmitte befindet sich das Santuario di San Vito, ein festungsähnlicher Bau mit arabisch-normannischer Architektur aus dem 15. Jahrhundert. Der arabisch-normannische Einfluss zeigt sich auch an den kleinen Häusern mit Dachterassen. Der Strand ist traumhaft, genauso wie die abendlichen“passeggiate“ durch den Ort.

Heraclea Minoa

Auf der Weiterfahrt lassen wir Trapani, Erice, Marsala, die Insel Mozia und Agrigento leider links liegen. An diesem Teil Siziliens könnte ich mich wochenlang aufhalten. Mich beschleicht der Verdacht, dass Anja und Stefan im Nachhinein vor allem das Auslassen des Besuchs von Agrigento bedauern.

 

So landen wir schließlich beim Capo Bianco, wandern an den Steilklippen von Heracleia Minoa entlang und finden meinen Geheimplatz, direkt am Wasser, unbesetzt! Was für ein Erlebnis!

Die Weiterfahrt ganz zum südöstlichsten Punkt Siziliens führt uns ganz nah an Niscemi vorbei, dem Ort, der vor kurzem in den Medien Furore machte, weil einige Straßen durch „landslides“ in den Abgrund verschwanden.

 

Der „Area Camper Venere“ verbreitet mit seinem morbiden Charme heimelige Gefühle, das Wasser ist warm, der Sandstrand traumhaft, nur, ich mag es nicht eingesperrt zu sein. Als ob die Zäune irgendeinen Schutz böten!

 

Wir übernachten am folgenden Tag am Parkplatz des Naturreservats Riserva naturale orientata Oasi Faunistica di Vendicari, wo es Flamingos zu bestaunen gibt.

Dann drängt die Zeit und wir setzen über nach Kalabrien, lassen davor Noto, Syracus und Taormina wieder links liegen. Nichts Passendes in Scilla, das Ungeheuer hält sich auch verborgen, bis wir hinter Ascea Marina einen hervorragenden Parkplatz (Spiaggia Ulivarella) )über dem Meer finden. Die Gebührenzähler sind alle ausgeschaltet, der Strand ist frei, das Wasser warm und gesprenkelt von jungen Felsen und kaum jemand da - was will man mehr? Ja natürlich, Zeit müsste man haben, ich hab sie ja, aber Anja und Stefan müssen heim, sie wollen ja noch Pompei und Rom ihrem Portfolio hinzufügen.

Ich speichere: dieser Küstenabschnitt von Scilla bis Nicotera ist traumhaft zum Freistehen in dieser Jahreszeit.

Am nächsten Tag trennen wir uns, die beiden folgen ihrem Plan und ich mache einen langen Schlag zur Südseite vom Lago di Bolsena und übernachte vom Wind geschüttelt im Hafen von Marta. Am nächsten Tag erkunde ich die westliche Seeseite und beschließe, mir einen Erholungstag in der Schwefel-Therme von Rapolano zu gönnen.

Frisch geschwefelt gibt’s eine Erholungstour durch die südliche Toscana, an Siena und Volterra vorbei zu den „Spiagge bianche“. Ich zitiere, wie ein Besucher von diesem Ort im WEB schwärmt:

 

„Einer der schönsten Strände die ich je gesehen habe. Wahnsinn. Es war nicht überfüllt. Einfach ein toller Strand. Das Wasser ist sehr klar und der Strand einfach unglaublich. Ich komme auf jeden Fall wieder. Eigentlich dürfte man das nicht empfehlen bevor da alle touris hinfahren :)“

 

Stimmt alles, aber niemand geht ins Wasser. Kurzes Recherchieren bringt den Grund ans Tageslicht:

 

„Die ungewöhnliche Farbe des Sandes, weshalb der Strand mit einer tropischen Küste verglichen wird, ist das Ergebnis jahrelanger Verarbeitung und Ableitung von Kalziumkarbonat durch ein Werk der Solvay-Gruppe in Rosignano Solvay, etwa einen Kilometer von der Küste entfernt. Die 1912 in der Nähe des Strandes errichtete Sodafabrik ist die größte in Europa und produziert neben Soda auch Wasserstoffperoxid, Polyethylen, Kalziumchlorid, Natriumbikarbonat und Salzsäure. Die Abwässer fließen in einem Kanal direkt ins Meer, Fische kann man keine sichten. Der Zugang zum Strand erfolgt über einen kleinen Hügel, der bis 1983 als Deponie für Produktionsabfälle und Hausmüll diente.“

 

Für die Augen ist es traumhaft, erschütternd aber, wie viele Kinder in diesem Wasser plantschen.

Es droht ein Kaltlufteinbruch und ich ergreife die letzte Chance, den Tripp ausklingen zu lassen. Dazu eignet sich der Miramare - Village&Apartments-Camping-Platz hervorragend. Preislich zwar im Luxus Segment angesiedelt, bietet er mir einen Logenplatz über dem Meer mit privater Terasse inklusive Sonnenliegen und allem, was dazugehört. Da kann man Sturm und Regen gut abwettern. Schwimmen ist wegen der Wellen nicht möglich.

 

Die Rückfahrt mit obligatorischem Stopp in Venzone verläuft ereignislos und am 24. Oktober klariere ich in meiner mittlerweile eingerüsteten Wohnstätte in Regensburg ein.

Fazit:

 

Zwei Monate Italien, zwei extrem entspannte Wochen mit Alex, zehn erholsame Tage mit meiner Schwester und ihrer Freundin und die aufregende restliche Zeit mit Anja und Stefan haben mir bewusst gemacht, wie schön Italien immer noch ist.

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