Hellasd
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…. unterwegs mit und ohne RED 151
…. unterwegs mit und ohne RED 151   

GRIECHENLAND UND SIZILIEN

Auf nach "Hellas"

Blick auf Starigrad vom Velebit-Gebirge

Es ist fast Mitte August und das schöne, heiße und unglaubliche Wetter im Süden Deutschlands scheint sich dem Ende zuzuneigen – ab nach Griechenland, da soll es doch noch länger schön sein?

 

Noch kurz meinen Ältesten in Reichenhall getroffen und dann auf dem Tauern-Highway nach Villach, Ljubljana und Rijeka, bis wir acht Stunden später bei Ivan's Campinplatz "Jaz" in Starigrad einklarieren. Ivan freut sich so, dass er uns kostenlos übernachten lässt. Heiß ist es, aber das Meer ist nicht sauber, weil viel zu warm, und so geht es schnell weiter bis Dubrovnik, durch das durchgeknallte Montenegro bis ins geheimnisvolle Albanien.

Es ist fast Mitte August und das schöne, heiße und unglaubliche Wetter im Süden Deutschlands scheint sich dem Ende zuzuneigen – ab nach Griechenland, da soll es doch noch länger schön sein?

Road to nowhere

Kurz nach der Grenze gibt’s, bei einem von Holländern geführten Campingplatz, für 10 Euro ein unglaubliches 6-Gänge-Menü. Und dazu einen Swimmingpool, frei laufende Hühner, blökende Schafe und eine ruhige, entspannende Nacht.

 

Aber dann finden wir am nächsten Morgen den Weg nach Süden nicht: erst nach vielen vergeblichen Versuchen holpern wir auf einer unglaublich schlechten Straße weiter, vergeuden 3 Stunden und bemerken in der nächsten größeren Stadt, dass es doch eine bessere Straße gegeben hätte!

Albanien ist heiß, und die Leute sind freundlich. Der Kontrast zwischen arm und reich ist frappierend und tut fast weh, aber die Leute sind happy! Das Navi ist oft überfordert, die Billigversion von TomTom brüstet sich zwar mit einem flächendeckenden Kartenangebot von ganz Europa, aber was es dann liefert, ist manchmal dürftig: wir fahren nach Gefühl oft besser. Ein nächtlicher Zwischenstopp am Meer wird notwendig. Frei stehen mit dem Womo in Albanien: kein Problem! Es gewittert - und das bei 35° und fast 100% Luftfeuchtigkeit – nur noch schwitzen!

 

Über einen landschaftlich tollen Pass führt die Straße nach Sagunt und zu den Ruinen von Butrint. Rom hat diesen Platz seinen verdienten Veteranen zur Verfügung gestellt, besiedelt war die Region natürlich schon lange Zeit vorher. Seit einiger Zeit drücken die Urlauber von der nur 13 Kilometer Luftlinie entfernten Insel Korfu auf Tragflächenbooten täglich herüber. Noch ein paar Kilometer über Stoppelfelder und ausgetrocknete Bachbetten (wahrscheinlich haben wir wieder mal die richtige Straße verpasst), dann ist da die Grenze zu Griechenland! Anders und ruhig und so, wie man es in Erinnerung hat.

 

Fazit:

 

Nach Dubrovnik ist es in etwa so weit wie nach Ancona. Von dort lässt man sich in 16 Stunden nach Igoumenitsa schiffen. In ca. 10 Stunden kann man es auf dem Landweg von Dubrovnik aus schaffen, so die beiden Alternativen. Der Landweg ist nicht so stressfrei und strapaziöser als die Fähre, aber eindrucksmäßig eindeutig stärker!

Von Igoumenitsa bis Korinth

„Hellas“ hat sich nicht verändert, alles scheint so wie früher zu sein, ruhig, entschleunigt, einfach angenehm. Es gibt wundervolle Stellplätze, man ist einsam und teilt sich die Buchten nur mit Griechen, die tagsüber ihre Stehparties im Meer veranstalten.

 

Sonnenhut auf und dann ins Meer stellen und ratschen ohne Pausen, das ist „in“! Nördlich von Igoumenitsa, bei Sagiada, gibt es außerdem phantastische Fischlokale.

Langsam pendeln wir an der Westküste nach Süden, machen einen Abstecher nach Pargas, wo alle noch übriggebliebenen Bären Griechenlands "steppen", übernachten in Amoudia, am Fluss Acheron (Eingang zum Hades), lassen Lefkas rechts liegen und steuern auf die neue Brücke von Antirrion zu.

Delphi

Unser Ziel ist das Orakel von Delphi! Der Eingang ist gar nicht so leicht zu finden, wenn man verplant ist wie wir am frühen Morgen, dann aber - ein absolutes Highlight! Kein Wunder, dass früher Hinz und Kunz dorthin pilgerten, um sich von Pythia die Zukunft vorhersagen zu lassen. Die Dankesgaben, die jeder als Bezahlung mitbrachte, müssen unglaublich gewesen sein. Fast alles wurde natürlich später geklaut, manches mag wohl noch in privaten Kellern schlummern, wie das so ist mit Beutekunst!

 

Zu sehen ist jedenfalls noch der "Nabel der Welt". Zeus ließ damals zwei Adler - manche behaupten es waren Kolkraben - von den zwei entgegengesetzten Enden der Welt losfliegen. Genau über Delphi stießen sie zusammen und ließen den Nabel fallen, worauf man dort das Apollon Heiligtum errichtete. Nett!

 

Schon gegen 8:30 Uhr knallt die Sonne gnadenlos auf den Südhang und auf uns. Es lohnt, früh aufzustehen! Man weicht damit auch den Bus-Touristen aus, die erst noch im Hotel frühstücken müssen. Schade, dass so viel Areal abgesperrt ist. An der Anzahl der Aufsichtspersonen kann es nicht liegen, die versammeln sich zu Hauf an den schattigen Plätzen zu einem Plausch; es reicht ja, wenn eine Person mit Trillerpfeife die zugänglichen Bereiche überwacht! Ganz oben, beim Stadion, ein tolles Erlebnis: ein Wärter verbietet einem Vater seinem Sohn zu trinken zu geben. Verwechselt er das Gelände mit einer Kirche, ist die Ehrfurcht vor den Ahnen so groß oder hat der Vater das Getränk nicht unterwegs beim museumseigenen Laden eingekauft? Ich sollte mal Pythia befragen, aber die hat ja vor so viel Professionalität schon lange das Weite gesucht! Gottseidank schert sich der Vater - ein Grieche - nicht sehr darum, obwohl er sichtlich konsterniert wirkt.

Die Weiterfahrt durch Theben und die böotische Ebene ist heiß und abwechslungsreich, und wenn man dann am Golf von Korinth landet, spürt man den Druck der Athener Bevölkerung auf die Strände.

 

Die Griechen mögen freundlich sein, rücksichtsvolles Verhalten gehört nicht zu ihren Tugenden, vor allem nicht beim Autofahren. Nicht umsonst ist jedes zweite Auto mit Blessuren behaftet! Ganz faszinierend ist auch die Regel: Ich bleibe jetzt stehen und schalte deshalb die Warnblinkanlage ein! Das kann heißen: "ich geh‘ mal schnell einen Kaffee trinken," oder: "ich habe jemand gesehen, den ich sprechen will," oder: "ich will umdrehen," oder ... – es gibt unendlich viele Gründe dafür. Man muss sich halt nur darauf einstellen und rätseln, aber es geht (meistens) gut!

Auf dem Peloponnes

"Zum Kampf der Wagen und Gesänge..." - F. Schiller

Ein Traumstrand nach dem anderen bietet sich am Golf von Korinth an; es ist allerdings auch ganz schön voll: voll von griechischen Urlaubern. Athen ist nahe. Die Lokale sind auch voll und man merkt: es ist Hochsaison. Wie bei uns. Den Isthmus (Durchbruch) von Korinth übersehen wir beinahe, so plötzlich ist er da. 50 Meter bis zur Wasseroberfläche und nur 23 Meter breit, aber er macht den Peloponnes zu einer künstlichen Insel. Wobei ich mir sicher bin, dass das dem egal ist. Es gibt da übrigens noch zwei Brücken, die beim Passieren 10 Meter tief ins Wasser abgesenkt werden. Wenn nicht drunter durch dann eben drüber für die Schiffe!

 

Nächste Station: Alt-Korinth! Erst mal wieder den Eingang finden! Die Griechen und ihre Buchstaben! Schwierig für einen "Nicht-Humanisten". Aber wir finden ihn. Ein paar Säulen hat man wiederaufgerichtet. Korinth ist die erbebengefährdetste Region Griechenlands, kein Wunder. Aber man kann sich alles gut vorstellen. Vor allem wie der Apostel Paulus auf der wieder aufgebauten Rednertribüne den Korinthern ihre Lüste an den Kopf warf. Muss ein lebenslustiges Zentrum gewesen sein, damals. Im Museum sieht man noch Mosaike von den „wiegend, schreitenden Hetären“. Da hat Paulus wohl einige Male Prügel bezogen! (siehe Paulus: Briefe an die Korinther, Bibel)

Alt-Korinth

Gerade noch rechtzeitig entkommen wir den Touristen, die die Busse in Achaia Epidauros ausspucken. Heute ist „Grillen“ angesagt, erst in der Sonne und abends mit Tischgrill, obwohl nebenan eine typische Taverne lockt. "Machen wir morgen, Zeit spielt wenig Rolle". Ein "Pope" (griechisch-orthodoxer-Priester) besucht auch das Lokal und lässt es sich gut gehen. Sie scheinen den weltlichen Gelüsten nicht abgeneigt, dürfen ja auch Familien gründen, und wenn es ihnen zu „heiß“ wird, können sie sich auf die Mönchsrepublik Athos flüchten, dort hat Weibliches keinen Zugang - nicht mal Hühner gibt es dort.

 

Die Ausgrabungen von Epidauros: natürlich zuerst das Theater. 15.000 Zuschauer können im Sommer die altgriechischen Tragödien nachempfinden, wobei die meisten die alte griechische Sprache gar nicht verstehen. Sie ist nämlich komplett anders als das moderne Griechisch. Wir kaufen kein Ticket, erfahren aber später, dass es sich wohl gelohnt hätte, die Atmosphäre einzusaugen. Alles, was über die Akustik geschrieben wird, stimmt: eine Münze, auf den Boden geworfen, kann man von ganz oben hören. Vielleicht sollten sich die Münchner mit ihren Plänen von neuen Konzertsälen erst mal hier kundig machen!

Der beste Ort für einen Plausch

Der Tag wird heiß und wir stoppen auf der Halbinsel Methanon zu einem besonderen Vergnügen: Baden im warmen, schwefelhaltigen Meer-Wasser, das aus Felsspalten hervorsickert und alles milchig-weiß färbt. Ein Genuss für eine halbe Stunde, länger sollte man seinen Kreislauf nicht belasten, zumal das Meer Badewannentemperatur aufweist. Sogar eine funktionierende Uhr gibt es für die vielen Rentner, die mit uns plantschen. Und als Dreingabe nehmen wir noch den Geruch von faulen Eiern auf der Haut mit, der sich drei Tage hält!

 

Es winkt eine „Bergtour“ auf den „Volcano“. Auf Methanon gibt es über 20 Vulkane, der letzte Ausbruch war allerdings vor 300 Jahren. Sehr beeindruckend, in den erkalteten Lavaströmen nach oben zu kraxeln, auch wenn das Ganze nur 20 Minuten dauert.

 

Weiter geht’s Richtung Galatas. Traumhafter Blick auf die Insel Poros mit der gleichnamigen Stadt: so stellt man sich eine Inselstadt vor. Wir finden aber keine geeigneten Stellplätze und können erst spät abends, neben der Straße, dafür direkt am Meer uns einquartieren. Dabei wäre 2 Kilometer weiter die Traumbucht von Salandi gewesen.

Spilea Didimon

In den Didimo-Bergen klafft ein Einbruchs-Loch von 100 Metern Durchmesser, die Gegend ist karstig und voll mit weiteren Dolinen. In eine von ihnen - Spilea Didimon - kann man durch einen unterirdischen Gang gelangen und findet sich auf halber "Tiefe" wieder. Zwei kleine Kapellen mit Ikonen (religiösen Bildern) laden zur Besichtigung ein. Nicht zu vergessen die frischen Feigen, die an den Bäumen wachsen und zur Verbesserung der Vitamin-Bilanz beitragen.

 

Eine Anmerkung zur Schreibweise des Griechischen: ein Traumland für Legastheniker! Jede Stadt bietet bis zu vier mögliche Namen an. Fragt man warum, erntet man Verständnislosigkeit. „Ist doch normal, oder?“ Akzeptiert! Es geht auch so und keine Rückschlüsse auf irgendetwas anderes, die Griechen betreffend, von uns korrekten Deutschen, ok!

 

Es ist Zeit für Nauplia (Nafplia, Nafplio, Nauplio, Nafplios???), die Stadt, in der der 16-jährige Prinz Otto von Bayern für elf Jahre regierte, das bayerische Reinheitsgebot für Bier und die weiß-blauen Farben für die griechische Flagge mitbrachte. Manche Gebäude erinnern immer noch ein wenig an München. Otto und sein Team haben eine ganze Menge für den neuen griechischen Staat geleistet. Viele Maßnahmen, vor allem in der Bildungspolitik trugen erst später Früchte. Die Garantiemächte Frankreich, Großbritannien und Russland, die durch die erfolgreiche Schlacht bei Navarino den Grundstock zur Gründung des griechischen Staates legten, ließen sich ihr Mitwirken bei der Befreiung von den Türken mit 60 Millionen Franken entlohnen, kein guter Start für Griechenland und vielleicht liegt darin die heutige Misere begründet?

 

Manche Zeugnisse aus der damaligen Zeit sind noch sichtbar, wenn man genau hinschaut. Vor allem aber kann man hier „shoppen“. Wir machen das hauptsächlich visuell und ziehen uns zum Schlafen auf den Parkplatz der Festung Palamidi zurück, wo wir aus 200 Metern Höhe eine phantastische Aussicht genießen und nachts sogar einige Regenschauer zur Abkühlung gratis dazu bekommen.

Nauplia

Nächster Stopp, wieder früh am Morgen: Mykene. Die Stadt, die von Heinrich Schliemann ausgegraben wurde. Es war aber nicht Agamemnon, der sie errichtete, sie wurde bereits viel früher gegründet. Das Löwentor am Eingang steht heute noch. Der Quersturz wiegt wohl an die 20 Tonnen. Erinnern wir uns an die Totenmaske des Agamemnon, die Schliemann hier fand. Ganz aus Gold! Eine Kopie befindet sich im hiesigen Museum, das Original, mal nicht geraubt im Nationalmuseum in Athen. Mykene ist ein magischer Ort, phantastisch gelegen zwischen den Bergen. Alles Weitere bitte nachlesen bei Homer: „Der Trojanische Krieg“.

 

Tyrins, die Zyklopenstadt enttäuscht ein wenig, weil vieles nicht mehr zugänglich ist. Dafür können wir in Argos noch die imponierenden Reste des Theaters besichtigen, und das bei mittlerweile weit über 40° Celsius!

Es wird Zeit für die „Mani“. Am Meer entlang führt die Straße vorbei an hübschen Badebuchten nach Leonodion. Diese Stadt, durch die man sich früher nur rangierend durchzwängen konnte, hat endlich eine Umgehungsstraße bekommen! Ein Segen! Phantastisch auch die Fahrt zum Pass mit vielen noch intakten griechischen Tannen nach Kosmas mit seinem wunderhübschen, aber dunklen Dorfplatz. Dunkel auch wegen der verheerenden Dinge, die die deutsche Wehrmacht im Krieg dort veranstaltet hat!

 

Man findet kaum den "Ausgang", vom Dorfplatz aber dann geht es stets bergab nach Geraki. Eine verlassene Stadt mit vielen Kirchen: aber zuerst führt der Weg unfreiwillig zur Akropolis und da steht dann folgendes Schild: 2 Meter Maximal-Breite! Kein Problem bei 2,05 Metern eigener Breite. Stimmt auch. Dass es dabei aber ständig steil bergab geht und um 90° Kurven stand nicht auf dem Schild. Ich glaube, wir waren das erste WOMO mit Surfbrett auf dem Dach, das sich durch die Gassen gezwängt hat mit Rangieren und Zurückstoßen. Nie mehr wieder!!! Ganz am Schluss sackt dann noch das WOMO links vorne in ein Loch, was zur Folge hat, dass das Schlafzimmerfenster an der Hauswand „aneckt“ und diverse Sprünge bekommt. Mein Ego hat auch Sprünge bekommen – so einen Mist zu machen!

Kirche in Geraki

Dafür haben wir Glück: die verlassene Stadt hat offen - nur für uns. Wir bewundern die teilweise gut erhaltenen Fresken in den 5 Kirchen, erklimmen den Gipfel und haben eine weite Aussicht über Lakonien. Die abendliche Freude über das gut ausgegangene Abenteuer muss meine Begleitung leider mit üblem Kopfweh büßen. War's das Abenteuer, der griechische Wein oder der Ouzo?

 

Egal, der Platz mit Blick auf Monemvasia (36.728888, 23.026635), unserem nächsten Ziel, entschädigt uns am nächsten Morgen.

Erst mal 2 Kilometer Fußmarsch bis zum Stadttor, danach öffnet sich die Touristenmetropole für uns mit "Lädchen" und "Tavernchen". Der Wind bläst angenehm und kühlt, obwohl wieder 35° Celsius. Ich ahne schon hier, dass ich später diese Temparaturen schmerzlich missen werde. Wir wollen natürlich hinaufsteigen zum Gipfel, aber der Zugang ist versperrt. Renovierungsarbeiten! Egal, dann eben einen "Frappe" (kalten Kaffee), ausruhen, die Seele baumeln lassen und weiter über die Berge nach Neapolis, der südlichsten Stadt Lakoniens. Etwas aus der Zeit die Stadt, verschlafen, fast stillstehend, heiß. Passend dazu fällt auch der Kühlschrank aus und ich bekomme die verdammte Schraube nicht auf, um die Düse zu säubern.

 

Also, was macht man? Man trifft einen Rechtsanwalt aus Dachau - mit seiner Familie bereits seit vielen Jahren unterwegs in Griechenland - der einem erzählt, ein Freund käme in ein paar Tagen nach Kalambata und der könne alles richten. Na super! Wer’s glaubt! Wir sind ein wenig bedrückt, nicht wegen des Kühlschranks, aber die ganze Gegend ist vor ein paar Wochen komplett abgebrannt und das sieht gespenstisch aus. Sogar Wildschweine, die ja jetzt keine Deckung mehr haben, sichten wir. Die Dörfer und Siedlungen konnten die Feuerwehrleute retten, aber ansonsten… nichts wie weg!

 

Weg heißt, Blick auf die Hirschgeweih-Insel-Elafonissos, früher Geheimtipp, heute total überlaufen mit einem Campground, wo die WOMOS aufgereiht stehen mit einem Seitenabstand von einem Meter. Und warum? Weil es da einen Strand gibt mit fast weißem Sand.

Brauchen wir nicht, uns lockt die Mani, der südlichste Teil des dritten Fingers, gezählt vom Daumen ausgehend. Die Gegend ist so unzugänglich, dass sogar die Türken die dorthin geflohenen Griechen in Ruhe ließen. Ein großer Fehler, denn daraus entwickelten sich die "Klephten", Räuber und Widerstandskämpfer, die mit zum Ende der osmanischen Besatzung beitrugen. Heute ist die Mani gut erschlossen, die Straßen geteert aber abenteuerlich zu befahren. Kaum Sicherungs-Leitplanken, Autowracks sieht man genügend - tief unten. Ein Genuss, die Aussicht - nicht die Wracks!

In der Mani

Porto Kagio liegt in einer malerischen Bucht, die Wirtin winkt uns zum hauseigenen Parkplatz, natürlich im Glauben, dass wir zum Essen kommen. Wir tun das auch, aber der Verzehr scheint zu gering, so dass wir nach kurzer Zeit die Rechnung bekommen mit der Aufforderung, Platz zu machen für neue Gäste. Jaja, Geschäftstüchtigkeit geht manchmal doch über Gastfreundschaft, sogar in Griechenland!

 

Die Tropfsteinhöhlen von Diros lassen wir aus, erstens weil wir schon oft „getropft“ und zweitens, weil Wucherpreise die Lust verderben. Dafür fahren wir eine Bucht weiter, zum „Saurier-Eier-Strand“.  Straußeneier-Strand trifft's besser: kalkweiße Steineier liegen auf dem Weg zum Wasser, das uns mit Sand und 30° empfängt – zumindest im flachen Bereich. Schöööön (36.641761, 22.383360)!

Zeit für eine Körperertüchtigung – die Rintomo Schlucht im Taygetos Gebirge wartet. Eine Stunde schweißtreibender Anmarsch und dann hinab in die anfangs nur 2 Meter breite und 30 Meter tiefe Schlucht - ohne Wasser-  bergabwärts. Am Ende dann noch 300 Höhenmeter wieder bergauf: wenn das nicht reicht!

Polilymmnia

Als Belohnung treffen wir dann tatsächlich am Strand den vorhergesagten "WOMO-Experten" Günter mit seiner Frau Bettina. Sie entpuppen sich als unglaublich nette und hilfsbereite Wesen! Und Günter schafft es auch - wie von Oliver vorhergesagt - den Kühlschrank wieder zum Laufen, bzw. Kühlen zu bringen. "Vielen Dank Günter!" Wird ein netter Abend in der Taverne mit Oliver, seiner Familie und den beiden. Natürlich auch wieder mit etwas Kopfweh, wie gehabt!

 

Deshalb auf zu den Polylymnia-Wasserfällen (36.988371, 21.855860). 16° Celsius kühles Süßwasser, eine kleine Wanderung zum Schwitzen und dann zum Camping "Eridianos", an der Bucht von Navarino. Dort liegen unzählige Wracks am Meeresgrund. Die damaligen Alliierten (Engländer, Franzosen und Russen haben 1827 fast die gesamte türkisch-ägyptische Flotte versenkt und den Griechen ihre Unabhängigkeit gebracht.

 

Für uns Zeit, den Burgberg zu erklimmen, von dort zur Nestorhöhle abzusteigen (angeblich hat Nestor dort immer seine gestohlenen Rinder versteckt) und den Blick auf die wundervolle Voidokilia Bucht zu genießen! Ein Traum von einer Bucht!

Campingplatz ist aber nicht so das Wahre für uns, vor allem bei der stehenden Hitze: Tür an Tür mit meist deutschen Wohnmobilisten, nein danke! Lieber an den Strand, wo der Wind bläst.  Erst später erfahren wir, dass hier ein Überwinterungsspot für deutsche Senioren entstanden ist.

 

Da fahren wir lieber zum Geburtsort von Maria Callas, auf die Hochebene von Messene. Die Straße führt direkt durchs antike Arkadische Tor. Eigentlich sollten wir das Gelände durchstöbern (9 Kilometer ist die zumeist noch intakte Stadtmauer lang) und der Berg Ithomi wäre auch interessant: Göttervater Zeus soll dort geboren worden sein, aber wir haben es heute nicht so mit Besichtigen – obwohl kein Kopfweh!

Campingplatz ist aber nicht so das Wahre für uns, vor allem bei der stehenden Hitze: Tür an Tür mit meist deutschen Wohnmobilisten, nein danke! Lieber an den Strand, wo der Wind bläst.  Erst später erfahren wir, dass hier ein Überwinterungsspot für deutsche Senioren entstanden ist.

Durchs Arkadische Tor

Lieber schlängeln wir uns auf engen Bergstraßen zur Kapelle der heiligen Theodora von den Eichen. Die Bäume wachsen direkt aus den Mauern, sind aber von innen nicht zu sehen. Wieder ein Wunder! Die anschließende Fahrt durchs Gebirge über Karitena und Andritsena zeigt ein völlig neues Bild von Griechenland. Überdreht von den vielen Kurven landen wir in Olympia beim empfohlenen Camping Diana. Der 92-jährige, rüstige Besitzer mit seiner 86-jährigen, noch rüstigeren Frau verweist auf Fotos mit Bundespräsident Heinemann – ja, wann war das doch gleich?

 

Hintergrund ist, dass die Deutschen maßgeblich Olympia ausgegraben haben. Es ist auch wirklich sehenswert, obligatorisch der Start zum 200-Meter-Spurt, allerdings bekleidet. Die Trümmer der Säulen des Zeus-Tempels liegen umher wie gigantische Salami-Scheiben, alles sehr anschaulich. 800 000 Besucher pro Jahr, beindruckend!

Ganz im Nord-Westen des Peloponnes gibt es eine Traumbucht, den „Ghianiskari“ Strand (38.174961, 21.367449). Er ist zwar auch noch Teil des neuen Naturschutzgebietes, aber, erstens ist die Straße dort hinab grottenschlecht, und, zweitens haben die Griechen die entsprechenden Verbots-Tafeln zugesprüht. Es fällt generell auf, wie viele eifrige Sprayer hier am Werken sind: die meisten Verkehrs- oder Straßenschilder sind „ergänzt“ oder weitgehend unkenntlich gemacht, über die künstlerische Qualität der „Verzierungen“ schweigen wir!

 

Die Traumbucht hat kleine Nachteile: der Grundwasserspiegel im Stellplatz-Bereich ist sehr hoch - 30cm graben und man hat "Meer". Dadurch ist der Sand extrem klebrig und findet sich überall im WOMO. Dazu läuft der Stromgenerator der Strandbar auch nachts und stört.

Die Kalavrita-Bahn

Zwischen Patras und Korinth gibt es eine touristische Attraktion! Von Diakofto fährt eine kleine Privatbahn, teils mit Zahnstangenunterstützung, die 23 Kilometer steil hinauf ins 600 Meter hoch gelegene Kalavrita. Dieser Ort ist dunkel belastet durch die Taten der deutschen Wehrmacht im 2. Weltkrieg. Nach Partisanenübergriffen wurde die gesamte männliche Dorfbevölkerung eliminiert. Und das wird einem auch heute noch deutlich vor Augen geführt.

 

Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch Tunnels und über Brücken steigen wir bei der Hälfte der Strecke aus und beginnen den ganzen Weg auf den Eisenbahnschienen wieder zurückzulaufen. Ist offiziell erlaubt und sogar Teil eines Europäischen Fernwanderwegs. Man muss nur aufpassen, dass einem die Bahn nicht in einem der engen Tunnels begegnet, aber sie fährt ja nur dreimal täglich. Beim Rauffahren musste übrigens der Zugbegleiter aussteigen und Ziegen von den Gleisen verscheuchen.

Der nächste Tag hält ein weiteres „Schmankerl“ bereit. Nach Akrata (dort schöpfen wir Geld von einem der recht seltenen Bankomaten) geht’s in die Berge zum Limni See mit einer kleinen Taverne und einem netten Junior-Chef und gutem Essen und ausnahmsweise ohne Meer, denn am nächsten Tag brechen wir auf zur Quelle des Styx, dem Fluss des Hades. Achilles wurde hier durch die Göttin Thetis als Neugeborener unverwundbar gemacht. Leider hielt sie ihn an den Fersen dabei fest und das war’s dann ja auch für ihn im Kampf um Troja!

 

Der Berg Helmos, in dem der Styx entspringt ist ein mystischer Berg. Die Quelle ist zugleich einer der vielen Zugänge zur Unterwelt. Dort tranken die Götter das Styx-Wasser, von der Göttin Iris in goldener Schale geschöpft und dabei den heiligen Eid schwörend. Den Sterblichen brachte ein Trunk des eiskalten Wassers den sofortigen Tod. „Mal schaun!“ Der Aufstieg dauert tatsächlich dreieinhalb Stunden und ist teils hochalpin. Die letzte Querung ist sogar mit „Drahtseilen“ gesichert. Mühsam ist es, die letzten Meter auf Geröll steil zur Felswand hinauf zu klettern, aber es lohnt sich. Das eiskalte Wasser des Styx schmeckt hervorragend – oje, ganz vergessen, Sterbliche sind wir ja! Aber die Götter scheinen uns zu mögen: nichts passiert. Wir haben uns auch sauber geplagt da herauf. Aber so ganz ungeschoren kommen wir nicht davon. Sie (die Götter) schicken uns Regen. Und wir haben ja, wie es sich für verantwortungsvolle Bergsteiger gehört nichts Schützendes mit uns, keinen Anorak, keinen wärmenden Pulli -war ja warm zu Beginn des Anstiegs!

Auf dem Weg zur Styx-Quelle

Leicht fröstelnd, etwas müde und nun unsterblich fahren wir über eine mit EU-Mitteln in den Berg gesprengte, sieben Meter breite Straße. Kein einziges Auto weit und breit, aus einigen Straßenlöchern wachsen bereits kleine Büsche und der Teer ist vom Frost aufgerissen. Immerhin sind wir auf 1200 Metern Höhe. Die häufigsten Benutzer dieses EU-Millionen-Grabs sind Ziegen und Schafe, wie deren Hinterlassenschaften deutlich demonstrieren. Am Ende erreichen wir das Skigebiet von Kalavrita, das wiederum mit Hilfe von Reparationszahlungen Deutschlands errichtet wurde und im Winter wohl auch gut genutzt wird.

"Abschied"

Endlich mal ein Gewitter am Golf von Korinth mit Regen und völlig verdrecktem Meer am nächsten Morgen: so wird es Zeit für die Fahrt Richtung Athen, wo wir autobahnmäßig abgezockt werden als Wohnmobilisten und am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen am Elefterios Venizelos, dem Flughafen Athens.

 

Vom Flughafen geht’s nun allein nach Marathon, auf der originalen Laufstrecke, wo 490 v.Ch. der Bote Pheidippides die Nachricht über den Sieg der Griechen gegen die asiatische Invasion unter Dareios I. überbrachte. „Nenikekamen“ (wir haben gesiegt) konnte er noch sagen, dann starb er. Dieser antike Marathon-Läufer ist ein rundum tragischer Held: "Er hieß nicht nur nicht Pheidippides, er ist nicht nur nicht von Marathon nach Athen gelaufen, er ist dort nicht nur nicht tot zusammengebrochen, es hat ihn nicht einmal gegeben. Er ist nur eine Erfindung viel später Geborener.“ so D. Eckart in der FAZ vom 24.10.87.  Wenn es damals genauso heiß gewesen wäre wie heute, und es ihn wirklich gegeben hätte, wüsste ich, warum er auf dem Areopag von Athen verschieden ist!

 

Am Schlachtfeld soll man immer noch Pfeilspitzen und ähnliches finden, ich finde natürlich nichts, dafür aber einen Stausee ohne Zugang und den Weg zum Badestrand Shinias. Pinien bis ans Meer, Sandstrand soweit das Auge blickt und ich grabe mich fast ein mit dem WOMO, so weich ist der Boden (38.143343, 24.045290).

Evia (Euböa) entdecken

"Alone again" auf Evia

In Karystos, ganz am südöstlichsten Ende Evias hat das Feuer vor einigen Jahren alles verbrannt. Entstanden sind aus der Asche parzellierte Grundstücke für Hunderte von Häusern, mit optimalen, geteerten Zufahrtsstraßen mit Namen und sogar Hausnummern – aber kaum einer baut. Alles "vergammelt" und macht einen deprimierenden Eindruck.

 

Am anderen Ende von Karystos finden wir Platz unterhalb eines angeblich schon 30 Jahre geschlossenen Hotels (37.964565, 24.477397). Es wurde fachgerecht „entkernt“ – die Lage ist super aber, wahrscheinlich wieder mal am Bedarf vorbei gebaut, wie bei so vielen Bauruinen in Griechenland.

Auf nach Hiliadu! Die Anfahrt führt über die Berge und von oben sieht's fantastisch aus. Stürme haben leider den Strand "gefressen", es ist kaum mehr Platz zum Stehen, aber die Fahrt durchs Gebirge ist phantastisch. Könnte auch in den Alpen sein. In Almirichi gibt’s Platz und eine Taverne.

In unserer "Superbucht"

Dann entschließt sich Günter, mit viel Bauchweh, mich und mein WOMO donnerstags mit hinab in ihre Superbucht zu nehmen. Es ist eine Rumpelpiste und ohne Zusicherung Günters, dass er mich notfalls hochschleppt, hätte ich’s nicht gemacht. Sieben Kilometer und eine Stunde später, versehen mit einer kleinen Delle im Auspuff durch eigenes Unvermögen, stehe ich im Bachbett am Strand. Wir sind fast völlig allein, es gibt alles: Kletterfelsen, Tauchreviere und eine unschlagbare Versorgung mit Abendessen durch Bettina und Günter. Vielen, vielen Dank nochmals ihr beiden.

 

Die Auffahrt am Sonntag zeigt mir die Grenzen meines WOMOs: an der kritischen Stelle werde ich angehängt und wir pflügen problemlos nach oben. Puhh!

Kria Vrissi ist der nächste Anlaufpunkt. Da stehen tatsächlich drei deutsche „Dickschiffe“ in Hufeisenform zusammen. In der Nacht gewittert es wieder und wir fahren über Limnias zum „Forest“, einem weiteren Geheimtyp der beiden an der zum Festland zeigenden Seite Evias. Wieder ein Traum! Glasklares Wasser, Berge, die fast bis ans Meer reichen und niemand da außer einem älteren Rosenheimer WOMO, das diesen Platz auch schon lange kennt (38.716681, 23.365052).

 

Am nächsten Morgen ist es soweit: die beiden müssen zur Fähre und ich muss wieder allein weiter. Günter hat mir seinen 220V-Spannungswandler dagelassen, somit kann ich meinen Laptop während des Fahrens aufladen und schreiben, endlich! ευχαριστώ πολή  (efcharisto polí), Günter!

Durch die Berge Evias

Das Wetter schlägt um, es gibt ein paar Regentage, aber die Sonne kommt immer mal durch. Irgendwo bei Psaroupoli interessieren sich freilaufende Pferde fürs WOMO oder mich. Es gewittert die ganze Nacht, dann beenden zwei „Kanonenschläge“ den Zauber. Am Strand von Pefki beruhigt sich alles wieder.

 

Dieser Ort ist voller Serben, die hier Urlaub machen. Die Speisekarten sind in Griechisch und Serbisch gehalten und ich komme mir ein wenig verloren vor. Es gibt leckere Muscheln „Saginaki“, das sind Miesmuscheln in Tomatensauce mit Feta. „Saginaki“ ist ja ansonsten der panierte „Quietschkäse“ in Tomatensauce.

Auf zum Pilion

Aufbruch zum Festland: das Einparken rückwärts auf die Fähre erfolgt durch die griechischen Einweiser gnadenlos, eng und rigoros – könnte ja noch was Langes, Schweres kommen - tut es aber nicht!

 

Eine halbe Stunde später fahre ich weiter nach Volos. Das Navi will mich dabei partout auf die Landebahn des kommerziellen Flughafens bei Volos leiten, zum Glück ist das Gelände eingezäunt. Nachdem ich ein paar ernste Worte mit ihm gesprochen habe, lenkt es mich gehorsam auf den Pilion, die Halbinsel, die die Bucht von Volos umspannt. Völlig anders, kommerzialisiert, hier geht die (Touristen-) Post ab. Campingplätze haben plötzlich wieder auf, Tavernen ebenso, aber der Sommer-Rummel scheint dennoch vorbei zu sein. Ich finde nette Buchten, geteerte Straßen hinab zu den Stränden, keine abenteuerlichen Schotterwege, Duschen am Strand und ich treffe einige kauzige, deutsche Späturlauber.

 

Ganz an der Spitze im Süden wartet der Hafenort Agios Kyriaki. Vom großen Parkplatz (39.088917, 23.071099) ist es nur ein kleiner Fußmarsch in den idyllischen Ort. Eine fangfrische Brasse wird vor meinen Augen entschuppt und entkernt – so frisch habe ich Fisch noch nie bekommen. Die Nacht ist ruhig, das Wetter schön: ich bleibe noch ein wenig!

Von Volos über Thessaloniki zur Chalkidiki

Immer wieder diese Sonnenuntergänge

Schlechtes Wetter kündigt sich an, also am besten weiterfahren. Das heißt zurück nach Volos, norwärts nach Kalamaki und über Elafos einen 800 Meter hohen Bergrücken wieder ans Meer bei Agiokambos. Auf der Hälfte der Abfahrt treffe ich auf ein deutsches Pärchen, er Urbayer, sie aus den „New Territories“, die dort stoppen, weil sie ihrem Ducato eine Pause gönnen wollen. Haben sie wirklich so gemeint! Ich bewundere die Einbruchs-Diebstahls-Sicherungen in dreifacher Ausfertigung, höre mir die Horror-Stories ihrer Erlebnisse an und denke mir meinen Teil. Anscheinend kann man das Unheil auch anziehen!

 

Bei der Weiterfahrt suche ich vergeblich nach Gründen, warum ihr Ducato eine Pause brauchte. Am Meer angekommen wartet ein guter Platz mit Dusche und das Gewitter kann losgehen! Macht es auch, und wie! Drei Tage hält es mich fest, bis ich kapiere, dass der fast 2000 Meter hohe Berg Ossa (Kreuzworträtsel: griechischer Berg mit vier Buchstaben) wohl als Stauraum fungiert und fahre weiter.

 

Dabei war es dort wirklich nett, habe Susanne und Klaus aus Schleswig-Holstein kennengelernt und keine Langeweile aufkommen lassen. Interessant, was Klaus erzählte: laut ADAC ist ja freies Übernachten in Griechenland illegal. Dem scheint aber nicht so, zumindest gibt es ein Gerichtsurteil, das Übernachten ohne irgendwelche „camperischen“ Aktivitäten als Parken definiert und somit überall erlaubt, wo PKWs auch parken können und dürfen. Hallo ADAC! Bitte besser recherchieren“?

Bucht von Thessaloniki

Auf der Fahrt nach Thessaloniki im Regen die übliche WOMO-Abzocke auf der Autobahn. In Thessaloniki stoße ich zufällig auf den WOMO Händler Zampetas; er offeriert einen freien Stellplatz mit Dusche und Waschmaschine, solange ich will und ich bekomme meine zwei Gasflaschen mit Propan gefüllt. Normal gibt's ja nur Butan und die ölhaltigen Rückstände könnten die Leitungen verstopfen und Ärger verursachen. Stimmt’s Günter? Das dauert natürlich, weil erst Zampetas Spezi vorbeikommen muss, die Flaschen mitnimmt und erst am nächsten Abend zurückbringt. Also bleib' ich hier 2 Nächte, erledige alle meine Wäsche, hübsche die WEB-Site auf und schau mir Thessaloniki an. Ich komme auch mit den drei Brüdern, die das Geschäft ihres Vaters weiterführen ins Gespräch und erfahre interessante Interna über die wirtschaftliche Lage Griechenlands. Nichts ist so wie es scheint und manches noch viel ärger!

 

Bei einem kleinen Spaziergang sieht man, dass viele Unternehmen aufgegeben haben. In der Mercedes-Werkstatt nebenan verrosten die Autos, viele Reifen sind platt. Gleich daneben Schwerlaster und Maschinen für den Straßenbau – alles hinter Zäunen, stillgelegt.

 

Eine Meinung:

 

„Schuld sind die Griechen, die im Ausland leben, die Reeder mit ihren Flotten, die Investoren – nicht nur griechische – die sich, weil sie Geld haben die Sahnestücke holen, ganz legal, weil EU und IWF dem Konsortium der Kreditgeber ihnen das als „Zuckerl“ versprochen hatten. Es ist egal, welche Regierung in Griechenland aktiv ist, sie ist nur Marionette!“ Bitter und hart, aber nach allem, was ich sehe und höre wohl sehr nah an der Wahrheit.

 

Die Arbeitsmoral ist aber auch generell nicht sehr hoch. Vor neun Uhr morgens siehst du niemanden, dann wird erst mal Kaffee getrunken und viel diskutiert. Siesta gibt es auch, von 14:00 Uhr bis 18:00 Uhr, aber nach 18:00 Uhr geht ehrlich nichts mehr. Alles beißt sich hier in den Schwanz und so richtig unternehmerischer Geist ist nicht zu spüren – aber das ist nur ein persönlicher Blick. Wahrscheinlich liegen die Probleme viel tiefer und ich vermute, das billige Geld, das in Form von Krediten nach der Aufnahme Griechenlands in die EU verfügbar war, hat viele verleitet, Maß und Ziel zu vergessen. Na ja, ich habe ja Zeit und warte auf meine Gasflaschen, da kommen eben solche Gedanken auf.

Es gibt sie noch, die Traumbucht!°

Sithonia, der Mittelfinger von Chalkidiki ist nah. Ziel erster Griechenlanderfahrungen Mitte der 70er-Jahre. Endlose, weite Felder und dann plötzlich Pinienwälder, kleine Buchten und grünblaues Meer – ein Traum. Neos Marmaras, die größte Stadt hat sich zu einem großen Touristenzentrum entwickelt. Die brennende Mülldeponie von vor 30 Jahren ist zugedeckt. Wie in ganz Griechenland stehen überall große Müllcontainer, die auch fleißig geleert werden. Aber die Öffnungen sind noch nicht groß genug: viele treffen nicht hinein und so sammelt sich der Müll um die Container, denn aufgehoben wird nichts! „Was "liegt" des "pickt"!“

 

Weiter südlich grüßt - wie früher - der Betonklotz von Porto Carras, dem Feriendomizil des gleichnamigen, zweitreichsten Reeder Griechenlands. Wir sprechen von den griechischen „Schiffseigentümern“ die keine Steuern zahlen und das Land von außen ausbeuten. Jeder weiß das, keiner, nicht mal die Regierung kann was dagegen tun, denn man droht mit Weggang und Entzug von Arbeitsplätzen. Und insgeheim ist mancher hier „stolz“ auf sie, weil sie es geschafft haben. So nach dem bayrischen Motto: „Hund sand’s scho“. Hilft natürlich dem Land nichts, wenn es - nun unter dem Patronat von EU und IWF - weiter ausgebeutet wird.

 

Aber die Landschaft bleibt einzigartig und bis zur Südspitze reiht sich Bucht an Bucht. Einige hat sich das Meer zurückerobert, aber es ist immer noch traumhaft schön. Ich bleibe über eine Woche „hängen“. Nichts außer Schwimmen, schnorcheln, Biken und faul in der Sonne liegen. Wie schön! Ich lerne Beatrice und Michael kennen. Wir entdecken, dass wir einige gemeinsame Bekannte aus früheren Zeiten haben und vertiefen uns in unsere Erinnerungen bei abendlichen Lagerfeuern. Einfach perfekt, vielen Dank euch beiden!

Aber der kommende Herbst wühlt das bisher so ruhige Wasser der Bucht auf, die Regenschauer nehmen zu. Hilft nichts: weiterfahren! Die Ostküste Sithonias ist genauso herrlich, ich möchte aber nicht wissen, wie es hier im Sommer zugeht. Der Blick auf den Athos, den heiligen Berg der gleichnamigen Mönchsrepublik fängt den Blick ein. In diesem, mit separaten Rechten ausgestattetem Ministaat im Staat dürfen nur männliche Lebewesen mit Sondergenehmigung einreisen, respektive sich dort niederlassen. Aber man kann ja mit Booten vom Meer aus Blicke auf die an die Felsen "klebenden" Klöster werfen.

 

Vor drei Jahren, so erzählt mir ein Grieche, hat ein Abt einen Grundstückstausch mit der Regierung fabriziert: nutzloses Sumpfland außerhalb der Mönchsrepublik gegen Grundstücke in Athen. Letztere wurden gleich für 100 Millionen weiterverkauft. Der "Deal" flog zwar auf, ein Minister musste die Regierung verlassen und der Abt wurde zu drei Jahren „Hausarrest“ verurteilt. Was für eine bittere Strafe! Nur männliche Lebewesen heißt auch: keine Hühner, einfach nichts Weibliches. Wildschweine und Kaninchen sowie Tauben fallen als Wildtiere nicht unter den Begriff Lebewesen und werden von den Mönchen mit Genuss verspeist - Regelauslegung auf Griechisch.

 

Auf Athos gibt es auch ein russisches Kloster, in dem Putins Beichtvater residiert. Regelmäßig lässt sich dieser Potentat dort einfliegen und läutern. So mächtig ist der Einfluss mancher Mönche. Erinnert ein wenig an den früheren Brauch des „Orakel Befragens“.

 

Endlich erwischen mich auch mal wieder die „Staunzen“ (Mücken). Ein Traumplatz mit „Südsee-Feeling“. Ich muss aussteigen, will mir den Weg anschauen, weil sehr sandig und werde innerhalb einer Minute zerstochen. Nichts wie weg!

 

Es ist leer geworden, nur die Rentner sind noch unterwegs mit ihren Wohnmobilen. Wenn man sich trifft, hält man einen kurzen „Ratsch“, tauscht sich über Plätze aus und das Weltgeschehen und geht wieder seiner Wege – angenehm.

Von Chalkidiki quer durchs Land zurück zur Westküste

Meteora

Das Wetter im Norden wird nicht besser, also denk ich mal: ab nach Süden. Irgendwann muss ich sowieso zur Westküste nach Igoumenitsa, zur Fähre nach Italien. Auf dem Weg liegt Vergina, das Grab von Philipp II, dem Vater von Alexander dem Großen. Es wurde erst 1976 ausgegraben und man hat eine tolle Lösung gefunden: einfach eine Kuppel drüber gesetzt und ein Museum eingerichtet mit High-Tech-Alarmanlage. Verständlich, denn was man hier gefunden hat ist wertvoll, sehr wertvoll! Die Schatullen von Philipps Krone sowie seiner Frau, die ihm freiwillig (?) ins Grab gefolgt ist wiegen zusammen über 12 Kilo! Und das Material: reines Gold. Die Kronen ein Geflecht aus Eichenlaub, unglaublich fein ziseliert. Die Gräber waren unversehrt und man sieht alles noch in Farbe, die Malereien schon „aifresco“ wie viel später erst Michelangelo und Leonardo da Vinci es taten. Philipp war übrigens ein richtiger Lebemann, ein Raufbold (kostete ihn ein Auge), viele Frauen und ein starker Trinker. Die Weingefäße in seinem Grab waren alle aus Silber und vollständig intakt. Er wurde übrigens von einem Leibwächter umgebracht.

 

Ein tolles Museum! Es laufen auch viele Führungen hindurch, so dass man gar nicht umhinkommt, den Erklärungen zuzuhören. Nur die vielen Schulkinder, die interessiert das nicht so sehr, und sie unterhalten sich lieber selber – woher kenn ich das nur? Vergina hat etwas Magisches, auch wenn das Meer heute 30 Kilometer entfernt ist, vorstellen kann man sich das gut, wie Alexander der Große hier aufwuchs.

 

Man erfährt auch über die Geringschätzung der griechischen Bevölkerung für den neuen Staat Makedonien, der aus dem ehemaligen Konglomerat "Jugoslawien" entstand. Hätten sie sich anders genannt, wäre es den Griechen egal gewesen, aber so schimpfen und lästern sie in einer Tour und betrachten sich als wahre Nachfolger Alexander des Großen. Wie gesagt, Selbsteinschätzung ist nicht die große Stärke der Griechen!

Es ist nicht weit zu den Meteora-Klöstern, einem weiteren „World-Heritage-Center“. Jeder kennt sie, sie sind das Aushängeschild Zentralgriechenlands und immer wieder beeindruckend, wie sie auf den Gipfeln der Konglomerat-Felsen kleben. Inzwischen voll vermarktet kann man fast allen für 3 Euro einen Besuch abstatten, die Ikonen und prächtigen Malereien bewundern und die Aussicht genießen. Ich versuche mit einer Nonne ins Gespräch zu kommen, was schwierig ist, weil ihr Handy ständig klingelt. Willkommen im neuen Jahrtausend! Immerhin erfahre ich, dass sie keinerlei Unterstützung vom Staat bekommen und ihren Lebensunterhalt aus den Einnahmen der Besucher und dem Verkauf von selbstgemachten Marmeladen, Honig, Kräutern und Devotionalien bestreiten – Altötting lässt grüßen!

 

Endlich kann ich auch mal das Mountainbike wieder nutzen. Übernachtet wird bei einer „Taverna“. Der Sohn des Hauses, Costas, 1,60 Meter hoch und breit ist mir mit dem Moped nachgefahren und hat mich „verschleppt“ mit dem Versprechen, kostenlos zu übernachten. Strom und Wasser würden dann aber extra kosten und den Rest schlägt er beim Essen drauf. Ich mache die gleichen Erfahrungen wie Klaus; Costas labert uns den ganzen Abend voll und das Essen ist "bescheiden".

 

Bei den Gesprächen mit Österreichern, Schweizern, Deutschen, einer allein reisenden Amerikanerin und dem "Hausherrn" Costas zeigt sich das Klischee des profanen griechischen Denkens wieder einmal in aller Deutlichkeit: Schuld an der griechischen Misere haben Deutschland, Merkel und Schäuble, die EU, der IWF und sonst niemand. "Mea culpa"– kein Thema.

 

Die Beherbergungsbetriebe haben es aber auch nicht leicht. Touristen werden - wie in Olympia - mit Bussen von den Anlegestellen der Kreuzfahrtschiffe in Volos und Piräus hierher gekarrt, durch zwei Klöster durchgeschleust und in einer vertraglich festgelegten Taverne „souflakiert“. Der Rest schaut in die Röhre. Und die Individual-Touristen waren weniger, deutlich weniger dieses Jahr in Hellas. Nicht auf den Inseln. Die „boomen“ noch.

Die "Zeus-Eiche in Dodona - nachgepflanzt!

Man sollte nach Dodona im Pindos-Gebirge fahren. Die vermutlich älteste Zeus-Orakel Stätte – angeblich 5000 Jahre alt, liegt versteckt an einem 1700 Meter hohen Berg, idyllisch umrahmt von Hügeln auf der anderen Seite. Zeus soll dort in den Wurzeln einer riesigen Eiche gelebt haben und mittels Blätter-Rauschen und Vogelgesang die Fragen beantwortet haben, zumeist ganz einfache Fragen: „Wie lang leb‘ ich noch?“ – "Wie gehen meine Geschäfte?" usw. 

 

392 n. Chr. wurde die Orakel-Eiche gefällt. Die Nachpflanzung schaut schon ganz ok aus und könnt wohl bald wieder benutzt werden. Typ für eine zeitgemäße Frage: „Wann kann ich meine Schulden zurückzahlen?“ oder so! Zeus war dort nur zeitweise bei seiner „lokalen“ Frau Dione. Aus diesen Besuchen entsprang übrigens auch die Tochter Aphrodite. Kein schlechter Platz für die gegenwärtigen Sorgen Griechenlands.

Man kommt übrigens immer ins Gespräch mit den Menschen, sie scheinen sich zu freuen und wenn die Geschäftstüchtigkeit nicht im Wege steht, entwickeln sich richtig gute Gespräche. Ich aber will wieder Meer sehen!

Insel Lefkas und Westküste

Das Meer empfängt mich mit Blitz, Sturm und Regen, weicht den Boden auf und erspart mir gerade noch, Schneeketten aufzuziehen (weil die Wiese so matschig ist und die Reifen durchdrehen!). Am nächsten Morgen schaut es dann ganz unschuldig aus, leise rollend, wo es gestern brüllte und tobte. Lefkas ist durch eine eiserne Drehbrücke mit dem Festland verbunden. Ich sehe grünes Licht, fahre drauf und alle fangen an zu hupen und blinken, wahrscheinlich wollte sie (die Brücke) gerade anfangen sich zu drehen und grün bedeutet rot – ich werde es nie herausfinden!

 

Die riesige Marina im Hauptort Lefkada eröffnet die Chance auf Lokale mit größerem Angebot als Souflaki und Pommes: richtig, es gibt wieder mal Moussaka, fein! Der erste Strand, den ich auf der gebirgigen Insel finde ist zugleich der beste: Kathisma Beach, ein Traum. Prompt hängt es mich wieder für ein paar Tage an. Das Bike kommt wieder zu seinem Recht, Schnorcheln ist super, endlose Strandspaziergänge, schwimmen, den Gleitschirmfliegern zusehen und das ganze nochmals von vorne. Luft und Wasser 24° Celsius - und zu Hause höre ich, rückt der Schnee immer näher. Gerade eben versuchte ein Matratzenflieger mit Propeller das aufgeklappte Dach des VW-Busses meiner Nachbarn als Startrampe zu nutzen – so gerade hat er’s noch geschafft. Hoffentlich hatte er wasserdichte Kleidung an! Ich hab’s gefilmt!

 

Am Montag früh, kurz nach Mitternacht, ist’s vorbei mit Griechenland, eben hab‘ ich gebucht von Igoumenitsa nach Brindisi und so schön es auch ist hier in Hellas, ich hab‘ jetzt einfach Lust auf Italien, auf Pizza und vor allem auf Gesellschaft!

So schön war Kathisma-Beach

Auf der Fahrt nach Igoumenitsa sehe ich Unmengen von teuren Yachten in der Marina von Lefkada. Fast alle haben die griechische Eigentümerflagge gesetzt. Irgendwo muss das Geld ja stecken! Ein Wahnsinns Gewitter mit sintflutartigen Regenfällen zwingt zur Zwangspause in Amoudia, an der Mündung des Acherons (Totenfluss aus der griechischen Mythologie). Ich sehe einen Blitz in einen Leitungsmast einschlagen, das untere Ende glüht kurz auf wie bengalisches Feuer und die Lampen gehen aus. Zwei Wohnmobile flüchten unter den Schutz von großen Bäumen – noch nie was vom "Faradayschen Käfig" gehört?

 

So schnell wie es kam ist es auch wieder vorbei. Ein alter Grieche bietet mir an, seinen marinierten Fisch zu probieren – er würde extra sein Restaurant für mich aufmachen. Vollgestopft mit Fisch in jeder Variation erfahre ich ein wenig über die privaten finanziellen Probleme: „700 Euro Rente, dazu ein eigenes Haus mit Restaurant müssen doch reichen hier?“

 

„Schon, aber wenn man Kinder und Enkel hat, denen man hier und dort Unterstützung geben muss, weil manchmal eben weniger da ist, dann wird die Sache eng! Die Tagesgäste aus Griechenland blieben aus und einzige Einnahmequelle sind die wenigen Touristen, die sich in den letzten Sommern rargemacht haben.“

 

Ich verstehe und gebe reichlich Trinkgeld. Zum Abschied will mir Thomas noch einen Eimer mit eingelegten Fischen mitgeben – ich muss leider ablehnen, keinen Platz.

Der berühmte "Platanen-Platz" nördlich von Sagiada

Die letzten Tage verbringe ich, leicht melancholisch gestimmt, ganz im Nordwesten, nahe der albanischen Grenze. Hier bin ich wirklich allein! Ab und zu kommen Schäfer mit ihren Herden vorbei, freuen sich über einen Kaffee oder ein Bier und wir radebrechen mit Händen und Füßen – das Wasser ist immer noch badefähig und die Sonne heizt die nächtlichen Temperaturen von 10° schnell auf. Trotzdem, auch hier ist jetzt Herbst. Heute Abend, um 11:00 wird einklariert auf der Fähre und in 9 Stunden wartet Brindisi auf mich.

 

10 1/2 Wochen haben gezeigt, dass Griechenland eins der letzten Paradiese für Individualreisende ist, ob mit WOMO, Zelt oder von Pension zu Pension „hüpfend“. Im Gegensatz zu den Inselgriechen merken die Festlandsgriechen den enormen Rückgang der Touristen. Die Saison ist zu kurz und es sind zu viele, die die Hand aufhalten. Und sie machen den gleichen Fehler wie viele andere Tourismus-Zentren: sie melken die Kühe und kümmern sich nicht um Nachwuchs. Das reicht eben nicht, leider! Dabei könnte die Saison locker von Mai bis Oktober gehen – tut sie aber nicht. Juli und August, dann ist Sense.

 

Das Gerede von angeblichem Unmut wegen Merkel und Co. entbehrte jeder Grundlage. Alle waren freundlich, interessiert und nett. Und es wird sich nicht viel ändern, weder in der einen noch in der anderen Hinsicht!

Nach Sizilien

Angekommen in Brindisi

Es dauert, bis die richtige Fähre in Igoumenitsa einläuft und alle LKWs einschließlich mir - ich bin wirklich das einzige WOMO auf der Fähre, neben einem Dutzend Transportern und PKWs - verstaut sind. Die ersten Stunden entlang der albanischen Küste sind wunderschön, aber dann schlägt die Müdigkeit zu: es ist fast 4 Uhr morgens. Jedenfalls wache ich rechtzeitig zur Ausschiffung auf. Die Annäherung an Brindisi vom Meer wird keinen Schönheitspreis gewinnen, qualmende Schlote, vergammelte Gebäude und ein AKW passen so gar nicht zum Bild von "Bella Italia".

 

Die Carabinieri trauen den Griechen nicht so ganz und kontrollieren nochmals die Schengen-Außengrenze, mit dem Erfolg, dass ein Riesen-Stau entsteht. Nur gut, dass ich im Vorderfeld bin. Aber irgendwann habe ich die Schnellstraße nach Taranto erreicht und hole etwas Schlaf nach am Strand von Metaponto. Mal kurz nachsehen, was sich alles verändert hat seit 2012!

 

Sehr viel! Die Schnellstraße geht jetzt fast lückenlos durch bis Sibari und meidet die endlosen Sandstrände der Basilikata und Nord-Ost-Kalabriens. Aber den Super-Platz bei der Abfahrt Terzo Cavone (40.285050, 16.774657) zum Übernachten gibt es noch! Auch am Strand von Sibari (39.735248, 16.508107) ist alles beim Alten geblieben, aber kalt wird's in der Nacht; von den Bergen des Pollino fällt eisiger Wind ein - ich verkneife mir das Morgenbad.

 

Ciro, Crotone und ein Nacht-Stopp bei Le Castella (38.909603, 17.026385) - aber keine einzige Pizzeria hat auf. Wo bin ich denn? Na ja, geh' ich halt statt dessen schwimmen (38.938630, 16.969758). Wasser und Luft wieder warm, Seele wieder in Ordnung.

 

Nahe Stignano hat sich das Meer ein ganzes Klein-Fußball-Feld geholt, mindestens 30 Meter Strand sind weg (38.357465, 16.492116)! Bei Ferruzzano Marina gibt es immer noch die geteerte Strandstraße, deren Zugang man nur findet, wenn man genau hinschaut. Gebaut wurde sie nach Befragen Einheimischer von der Marine, weil gerade Geld übrig war, das "weg musste". Egal, es gibt Entsorgungsmöglichkeiten, Frischwasser, einen tollen Sandstrand und Platz für Hundert WOMOs, mindestens. Immerhin, 15 sind da, einige wollen hier "überwintern" - ich weiß nicht (38.014504, 16.133621).

 

Seit 2010 will ich in das "Museo Nazionale della Magna Grecia" in Reggio di Calabria, jetzt hat es endlich geöffnet und ich darf allein mit einem Wärter die zwei schönsten Männer Kalabriens, die beiden 1972 bei Marina di Riace im Meer gefundenen Bronzekrieger eine Viertelstunde lang anschauen. Perfekt geschützt thronen sie auf erdbebensicheren Marmorplatten, vor Sturz bewahrt. Ich kann's nicht lassen und frage den Wärter, ob das Gebäude denn auch erbebensicher sei und habe damit seinen Nerv getroffen. Oh, je!

 

Ab auf die Fähre über den "Stretto", die Meerenge zwischen Sizilien und Kalabrien.

Messina in Sicht!

Die Überfahrt nach Messina dauert 25 Minuten und kostet dafür mehr als ein Drittel des Preises, den ich für die 9 Stunden von Griechenland nach Italien bezahlt habe. Aber es gibt Sondertarife für die Einheimischen! Wetter ist gut, nehme ich mal die Landstraße am Meer entlang nach Taormina. Nie mehr wieder! Schlagloch nach Schlagloch. Mit wirklichen Engpässen versehen dauert dieser Trip 3 Stunden für die 60 Kilometer. Entnervt fahre ich auf die "Autostrada" und will die Überreste von Megara Hyblea finden. Inmitten eines von einer Ölraffinerie verseuchten Geländes werde ich fündig, aber die diversen Erdöl-Derivat-Gerüche verwehren ein Aussteigen.

 

Zeit für ein Nachtlager. Ich besitze noch einen uralten "Schulz" von Sizilien, aber der hilft nicht viel: die meisten Plätze gibt es nicht mehr, Außerdem haben fast alle Campingplätze geschlossen. Nachdem mich die Finsternis eingeholt hat suche ich und suche und finde nach langem Gegurke durch enge, nächtliche Straßen den perfekten Campingplatz "La Timpa" nahe Acireale, 25 Meter über der Steilküste mit eigenem Lift zum Wasser, offener Pizzeria - ein Gedicht. Ich bleibe 2 Nächte (37.620099, 15.173414)!

 

Ich fahre zum Flughafen und dann sind wir wieder zu zweit, auf dem Weg nach Agrigento. Wir finden tatsächlich die tolle "Gelateria" bei Porto Empedocle wieder (Bar La Sosta, 37.298779, 13.494852), Commissario Montalbano verdrückt sich leider in seinem Büro, den "Agriturismo" am Torre di Salsa von Annemarie Harscher gibt's auch noch. Leider hat die gute Frau inzwischen viel von ihren guten Manieren verloren und drei Nächte am Stück wollen wir auch nicht bleiben, auch wenn der Platz am Meer wirklich schön ist. Was hat denn ihren Charakter verdorben, Frau Harscher? Nicht mehr unser Platz!

 

Es gibt ja gleich in der Nähe Eraclea Minoa und da verbringen wir eine stürmische Nacht, nicht ohne vorher ins Meer zu springen (37.390098, 13.293121)!

Fähre nach Mozia

Die Küste von Agrigento über Sciacca, Mazara nach Marsala ist abwechslungsreich und interessant. Nördlich von Marsala lockt der Stagnone di Marsala (Lagune). Viele Inseln liegen schützend vor der Küste. Auf der Isola San Pantaleo liegt Mozia, eine phönizische Gründung. Die Phönizier, aus Syrien und dem Libanon kommend, hatten ja den Griechen und den Römern schon immer das Leben schwergemacht. Karthago, als deren größte Gründung auf dem nordafrikanischen Kontinent, war drauf und dran unter Hannibal Rom zu erobern. Mozia wurde 397 v. Chr. von Syrakus erobert und dann verlassen. So konnte man Ausgrabungen ohne vorherige Veränderungen machen. Heinrich Schliemann versuchte sich übrigens auch dort als „Ausgraber“.

 

Berüchtigt waren die Phönizier durch ihre mutmaßlichen Kinderopfer für ihren grausamen Gott Ba'al. In der Tat findet man einen großen Bereich mit Kindergräbern, aber sicher sind sich die Experten nicht. Es wurde in der Vergangenheit immer grausam, wenn es um die Macht ging. Gerade bin ich über die Geschichte der griechischen Insel Chios gestolpert: vor nicht einmal 200 Jahren beendeten die Türken die Befreiungsbestrebungen auf unglaubliche Art. 25 000 Einwohner wurden abgeschlachtet, 45 000 in die Sklaverei verkauft!

 

Starenschwärme mit Tausenden von Vögeln vermitteln ein "Hitchcock"- Gefühl, wenn sie auffliegen. Knapp einen halben Meter unter Wasser führt noch der ehemalige Damm von der Insel zum Festland. Selbst das Museum ist beachtenswert, wenn auch das Selbstbewusstsein der italienischen "Stadtbild-Führerinnen" keine Unterhaltung zulässt. Ist im Zweitberuf wohl Grundschullehrerin!

Wenn man Trapani links liegen lässt ist es nicht mehr weit nach Erice, das auf einem 750 Meter hohen Berg liegt. Das mythische "Eryx" des Altertums, gegründet der Sage nach von fußkranken Flüchtlingen aus Troja, galt als das Zentrum der freien Liebe. Sieht man heute nichts mehr davon, leider, aber das Gesamt-Ensemble der Stadt gefällt uns sehr, noch mehr die bunten Früchte aus Marzipan!

 

Auf der anderen Seite führt der Weg hinab zum Capo San Vito, landschaftlich einmalig schön mit den steilen Bergflanken des Monte Cofano und viel Platz zum "Freistehen" (38.124058, 12.729289). Am Capo vorne ist kein Platz mehr, das hat sich durch die neue Marina zu einem "Hotspot" entwickelt mit schwer durchschaubarem Einbahnstraßen-System. Den "Zustand" im Sommer stellen wir uns lieber nicht vor, verlassen den (immer noch) Trubel zum anderen Eingang des Naturparks "Zingaro" bei Scopello (38.081688, 12.808436).

 

Die früher vergammelte "Tonnara di Scopello" - in jedem Sizilien-Fotoband abgebildet - wurde hergerichtet und wird jetzt vermarktet, wieder ein schöner Platz weniger. Aber der Naturpark bleibt! 1980 wollte man eine Straße an der Küste entlang betonieren, um das Capo San Vito auch von der anderen Seite leicht erreichen zu können, aber das hat der berühmte "Marsch der 10.000" verhindert und damit gleichzeitig den ersten Naturpark auf Sizilien geschaffen. Durch die "Cinque-Terre" ähnliche Landschaft führen gepflegte Wanderwege mit einzelnen "Museen", deren Besichtigung wir uns für den Rückweg aufheben, wo sie dann alle schon geschlossen sind. Die Vegetation ist subtropisch, vor allem die hier massenhaft vorkommenden, endemischen Zwergpalmen vermitteln afrikanisches Flair.

Notebook-Blick auf Zingaro

Es ist finster geworden - halb fünf! - und wir steuern den Parkplatz von Segeste an zum Übernachten, aber der ist zugesperrt. Also zurück ans Meer, aber da landen wir in einer so anrüchigen Gegend, dass wir lieber weitersuchen.

 

Jetzt, am Tag, bemerken wir, dass in der Nähe des offiziellen Parkplatzes von Segeste ein guter Stellplatz vorhanden gewesen wäre (37.948317, 12.827996). Wie heißt es doch: „wenn du keine Koordinaten hast oder altes Material, dann schau' dass du noch bei Tageslicht ankommst." Funktioniert ja prima im Sommer, aber bei nur sieben Stunden "hell" am Tag zu dieser Jahreszeit wird's manchmal schwierig!

 

Segeste ist ein weiteres "Highlight" in Sizilien. Von den Elymern gegründet liegt es völlig einsam in den Bergen. Der außerhalb der Stadt errichtete dorische Tempel gilt als eines der bekanntesten Symbole griechischer Baukunst Siziliens. Er wurde nicht zu Ende gebaut. Es gibt keine Dachkonstruktion und ein "Heiligtum" im Innern ist auch nicht zu sehen. Hängt wohl damit zusammen, dass Segeste während der Bauzeit von den Phöniziern erobert wurde und die wollte man wohl nicht verärgern durch ein den Griechen gewidmetes Bauwerk.

Zwei "Muss man gesehen haben"- Stätten liegen noch vor uns. Die eine ist die beim Capo Zafferano gelegene, antike Stadt Solunto (38.091326, 13.532137). Sie wurde zeitgleich mit Mozia und Palermo von den Phöniziern gegründet. Famos, die Ausblicke von ganz oben auf Palermo und das Capo Zafferano. Steil sind die Straßen und mit eingeschalteter Phantasie erschließen sich einem viele Zusammenhänge.

 

Cefalu ist ein absolutes "Muss" und ein passender Abschluss. Neben Taormina ist es das Touristen-Zentrum Siziliens. Jetzt, im November ist es vergleichsweise ruhig hier. Die Stadt gehört nun den Einheimischen. Viele Lokale haben noch geöffnet und am Domplatz sitzen die Leute und warten auf die Touristen der nächsten Saison oder entspannen von den Strapazen der letzten, wer weiß das schon? Die Zeit verläuft einfach langsamer. Auch das Erklettern des Burgfelsens, immerhin fast 300 Höhenmeter, geht langsamer von sich, viele trifft man nicht hier oben, obwohl die Aussicht phantastisch ist, trotz einiger Regenschauer. Und einen praktischen Stellplatz, ganz nah am Zentrum gibt es auch (38.035361, 14.016889)!

Caltanisetta im Landesinneren

Der Rückweg über Caltanisetta und Enna vermittelt uns tolle Landschaftserlebnisse, dicker, undurchdringlicher Nebel, in Regen getränkte, von der Sonne erleuchtete Herbstlandschaften, Straßen, die rampenmäßig ins Nichts führen, touristenleere Städte im Landesinneren und eine brodelnde Provinzhauptstadt: Catania!

 

Vom Campingplatz "La Timpa" lässt sich die Stadt per Zug obern. Sie ist anders als viele Städte Siziliens. Aus dunklen, schwarzen Lavasteinen erbaut, schon sieben Mal von Ausbrüchen des Ätnas zerstört, das letzte Mal 1669, hat sich Catania immer wieder erholt. Der Fisch- und Gemüsemarkt ist einzigartig und nur mit der "Vucciria" in Palermo zu vergleichen. Eine sympathische Stadt, auch wenn ihr immer noch eine hohe Kriminalitätsrate angedichtet wird. Da schreibt jeder Reiseführer-Schriftsteller vom anderen ab, ohne einen Blick auf die aktuellen Statistiken zu werfen. Es ist wohl eher immer der eigene Auftritt, der primär für Übergriffe verantwortlich ist; wäre ein eigenes Thema.

 

Nach erneuter Ablieferung am Flughafen trete ich wieder alleine den Heimweg an. Das Wetter ist eher frühlingshaft, trotzdem, 3 Monate reichen, und ich freue mich gar nicht wenig aufs Basislager in Regensburg. Der Kopf ist voller Eindrücke, viele Vorurteile sind abgebaut, manche Zusammenhänge deutlich geworden. Es wird nicht leicht werden für die griechische Bevölkerung des Festlandes und auch für Sizilien scheint die Zukunft nicht rosig. Schnell wurden und werden noch die restlichen freien Strandplätze mit Ferienhäusern, "Wellness-Oasen" und zugangsbeschränkten Arealen voll gepflastert, deren Zukunft man eindrucksvoll in Spanien und Hellas studieren kann.

 

Wenn die Touristen ausbleiben, leiden zuerst die Einheimischen, die darauf gesetzt haben. Oftmals, weil ja sonst nichts da war, um zu überleben. Das sieht man am besten momentan in der Region Hurghada oder Sharm el Sheik in Ägypten oder in Tunesien. Und wenn viele glauben, Griechenland und Sizilien kämen mit einem "blauen Auge" davon, so kann man ihnen jetzt schon "Blau-Äugigkeit" testieren. Natürlich werden es weiterhin gesuchte Urlaubsregionen bleiben, vor allem für Individualtouristen, aber der "Lack" ist ab. Vielleicht ist das generell gut so, sicher aber nicht für viele Einheimische!

Der Rückweg über Caltanisetta und Enna vermittelt uns tolle Landschaftserlebnisse, dicker, undurchdringlicher Nebel, in Regen getränkte, von der Sonne erleuchtete Herbstlandschaften, Straßen, die rampenmäßig ins Nichts führen, touristenleere Städte im Landesinneren und eine brodelnde Provinzhauptstadt: Catania!

 

Vom Campingplatz "La Timpa" lässt sich die Stadt per Zug obern. Sie ist anders als viele Städte Siziliens. Aus dunklen, schwarzen Lavasteinen erbaut, schon sieben Mal von Ausbrüchen des Ätnas zerstört, das letzte Mal 1669, hat sich Catania immer wieder erholt. Der Fisch- und Gemüsemarkt ist einzigartig und nur mit der "Vucciria" in Palermo zu vergleichen. Eine sympathische Stadt, auch wenn ihr immer noch eine hohe Kriminalitätsrate angedichtet wird. Da schreibt jeder Reiseführer-Schriftsteller vom anderen ab, ohne einen Blick auf die aktuellen Statistiken zu werfen. Es ist wohl eher immer der eigene Auftritt, der primär für Übergriffe verantwortlich ist; wäre ein eigenes Thema.

 

Nach erneuter Ablieferung am Flughafen trete ich wieder alleine den Heimweg an. Das Wetter ist eher frühlingshaft, trotzdem, 3 Monate reichen, und ich freue mich gar nicht wenig aufs Basislager in Regensburg. Der Kopf ist voller Eindrücke, viele Vorurteile sind abgebaut, manche Zusammenhänge deutlich geworden. Es wird nicht leicht werden für die griechische Bevölkerung des Festlandes und auch für Sizilien scheint die Zukunft nicht rosig. Schnell wurden und werden noch die restlichen freien Strandplätze mit Ferienhäusern, "Wellness-Oasen" und zugangsbeschränkten Arealen voll gepflastert, deren Zukunft man eindrucksvoll in Spanien und Hellas studieren kann.

 

Wenn die Touristen ausbleiben, leiden zuerst die Einheimischen, die darauf gesetzt haben. Oftmals, weil ja sonst nichts da war, um zu überleben. Das sieht man am besten momentan in der Region Hurghada oder Sharm el Sheik in Ägypten oder in Tunesien. Und wenn viele glauben, Griechenland und Sizilien kämen mit einem "blauen Auge" davon, so kann man ihnen jetzt schon "Blau-Äugigkeit" testieren. Natürlich werden es weiterhin gesuchte Urlaubsregionen bleiben, vor allem für Individualtouristen, aber der "Lack" ist ab. Vielleicht ist das generell gut so, sicher aber nicht für viele Einheimische!

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